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          GeometrischeKonsequenz
         fassadet
          in Glas und Metall
          in der Vorhut
          Stuttgart 21
          ein
schimmerndes Glanzbild.                                                                                                 
                                                                                            © Willi Volka 

(Stadtbibliothek in Stuttgart am Mailänder Platz 1,Europaviertel.Architekt:  Eun Young Yi,Köln/SeoulKubus: 44x44x40 m, Bruttorauminhalt rd. 100 000 Kubikmeter, neun Oberschosse plus Dachterrasse und zweiUntergeschosse) 
          

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                     Vor 70 Jahren Feldpostbriefe im Mai 1942 (Auszug)
             … die „große Fahrt“ nach Stalingrad -   Und ich muss sagen … 
 
6  Jetzt kommt der jüngste Jahrgang an die Reihe - Hinter der Donezfront  (Mai 1942)

                                                             Ostfront, Samstag, den 2. Mai 1942
   
 Lieber Spatz !
(…) Heute habe ich ausnahmsweise - weil es von oben angeordnet wurde, keinen Dienst. Habe mich von Kopf bis Fuß gewaschen, frische Wäsche an, rauche eine gute Zigarette, Butter gab es auch zum Blümchen, draußen scheint nach Regenwetter die Sonne - Ruhe herrscht - was will man hier noch mehr? Eines steht fest. Der Winter ist vergangen. Diese Gewissheit allein bedeutet frohe Hoffnung und tiefes Aufatmen. Dabei schlägt dem Glücklichen keine Stunde. (…) Die Flieger waren in Lübeck gewesen - habe ich gehört. Da müsste es ja schlimm aussehen. Die ganze Altstadt vernichtet. Die Hunde können auch nichts anderes, als friedliche Städte bombardieren und Kulturdenkmäler zerstören. Nun - wir werden die Antwort nicht schuldig bleiben. Wir sehen und hören nur ab und zu mal Flieger, ab und zu auch Russen. (…) So damit, will ich schließen. (…)  Alles Herzliche seinen beiden Liebsten Seppl.

                                                           Ostfront, Samstag, den 2. Mai 1942
 Liebe Mutter, lieber Vater !
 (…) Heute hatten wir Feiertag, dienstfrei, brauchten erst um sieben Uhr aufstehen. Nachmittags mussten wir Brenneseln sammeln, das gibt morgen Gemüse. Die Gelegenheit habe ich gleich benutzt, um ein kleines Sträußchen zu pflücken, damit Du siehst, dass auch hier Blumen wachsen.  (…) Nun ist aber also auch der zweite Bruder M. gefallen. Das ist ein harter Schlag für die Familie. Hoffentlich bleibt der letzte Bruder verschont. Auf der anderen Seite werden also wieder Kinder geboren. Marie hat jetzt endlich eine Tochter. Da wird ja die Familie froh gewesen sein. Johanna sage meinen herzlichen Glückwunsch zu ihrem Stammhalter. (…) Das Unglück in Lübeck ist ja schlimm. Die Hunde haben allerhand Schaden angerichtet. (…) Gut ist, dass die Flieger nicht mehr nach Mannheim hinein kommen. Und gut ist es, dass es nicht mehr kalt ist, wenn Ihr in den Keller müsst.(…) Wir haben jetzt endlich wieder gutes Wetter. Es ist mild und warm. Die Ruhe dazu tut einem gut. Nach wie vor sind wir an der Südfront. Wo wir liegen, kann ich natürlich nicht schreiben. Im großen Ganzen nicht sehr weit von unserem früheren Standort. Die Bahnlinie, die wir fuhren, führt über Stalino. Das findet Ihr sicher auf einer guten Karte Donezgebiet. (…) Heute Nacht habe ich von Vater geträumt ‑ ganz wirres Zeug. Ich hoffe nur, dass er nicht krank ist. Der Traum war so seltsam. Morgen wird es ja wohl wieder Post geben ‑ heute war nichts für mich dabei.  Sonst ist nichts Wesentliches von hier zu berichten. Wir leben wie im tiefsten Frieden und hören kaum Kanonendonner. Das wird wohl bald auch wieder anders werden. Für heute alles Gute und Herzliche und tausend Grüße Euer Sohn Hans
 
                                                             Ostfront, Mittwoch, den 6. Mai 1942

Mein lieber Spatz !  
 (…) Heute Nacht habe ich auch ganz intensiv von Dir geträumt. Allerdings wenig angenehmes. Du lagst im Gras und an Deinem Kopf lag unser dicker Koch. Du hattest ihm das Gesicht zugedreht und ihr ließt die Blicke sprechen. Ich sah zu und geriet in Wut und warf mit irgendeinem Gegenstand nach Dir. Da bin ich aufgewacht. Ich habe lachen müssen, denn einen besseren Geschmack traue ich Dir doch zu. Es schläft bereits alles, dabei ist gerade neun Uhr vorbei. Draußen ist es wieder kalt, obwohl tagsüber die Sonne scheint. Es sind die Hundstage. Die Lage hier ist immer noch unverändert. Eine Wenigkeit gibt es allerdings: Unser Chef, der an Neujahr verwundet wurde, ist wieder da. Er soll den jetzigen wieder ablösen. Da ich zum Schluss ganz gut mit ihm auskam, ist mir das ganz recht. Jeder Mensch hat allerdings Vor- und Nachteile und am besten fährt man, wenn man sie nimmt wie sie sind. Eines ist hier aber für den Krieg von Wichtigkeit. Zum Jungen habe ich mehr Zutrauen als zum Alten, der doch mehr oder minder den letzten Weltkrieg verkörpert. (…) Nun gute Nacht. Mein Geburtstag ist herum. Ich lege mich wieder, um morgen früh gestärkt zum Fußdienst antreten zu können.   Dein Seppl.

                                                          Ostfront, Montag, den 11. Mai 1942
 Liebe Eltern !  
(…) Heute will ich Euch mal den Beweis erbringen, dass es mir ausgezeichnet geht, körperlich und gesundheitlich. Gestern hatten wir Sportfest, auf einer Wiese, die inmitten von Obstbäumen gelegen. Wir hatten unsere Empfänger aufgestellt und durch die Lautsprecheranlage Musik übertragen. Es gab Kartoffelsalat zu essen zusätzlich und pro Mann zwei Eier. Außerdem bekam jeder drei Schnäpse. Als Preise waren Zigaretten, Weinbrand und verschiedene Kleinigkeiten ausgesetzt. Nach vielen Jahren also ging ich mal wieder an den Start mit dem Erfolg, dass ich im Laufen dritter wurde. Wenn man bedenkt, dass ich der viertälteste bin und meine Gegner alle so um die zwanzig herum sind, kann ich damit vollauf zufrieden sein. Leider fiel der Seniorenlauf aus, weil es zu spät war, denn das wäre für mich eine sichere Sache gewesen. Im Fünfkampf konnte ich mich gut platzieren und erhielt den ersten Preis als bester Kanonier und Oberkanonier. (…)   Lieber Vater! Wie steht es mit Deinen Leistungen? Willst Du nicht Urlaub nehmen, um dann gegen mich antreten zu können? Mutter schreibt doch, dass Du Urlaub bekommen könntest. Ja so ist es in der Welt. Du kannst Urlaub haben und nimmst ihn nicht ‑ ich möchte gern haben und bekomme keinen! Tue mir wenigstens den Gefallen und nehme Dir Deinen Urlaub als Ausgleich dafür, dass ich keinen bekomme! Dann will ich zufrieden sein. Also ich erwarte in Bälde Deine Vollzugsmeldung!! Hoffentlich bekommt Ihr aber dann auch ein gutes Quartier mit anständiger Verpflegung. Im Schwarzwald ist es sicher noch gut. Ich würde mich freuen, wenn Ihr Glück hättet.(…). Damit Schluss für heute. Seid herzlich gegrüßt und alles Gute Euer Sohn Hans 

                                                          Ostfront, Dienstag, den 12. Mai 1942

Liebe Mutti !  
Wir sind immer noch an Ort und Stelle, machen fleißig Dienst und legen uns früh schlafen. Draußen wird es jetzt endlich grün. Noch sah ich keinen blühenden Baum. Die Kirschbäume tragen erst kleine Knospen. Tag für Tag fragen wir, wann der Befehl zum Aufbruch gegeben wird. Wir sind dabei guter Dinge und würden die Stunde der Erlösung mit Freuden begrüßen. Inzwischen vertreiben wir uns die Zeit, so gut es geht. Am Sonntag hatten wir auf einer zwischen Obstbäumen gelegenen Wiese ein Sportfest. (…). Auch unser Abteilungskommandeur war erschienen. Kurz und gut - ich freute mich vor allem, dass ein Blindgänger beweisen konnte, dass es größere Blindgänger gibt! (…) Meinte doch neulich mal einer - Sie sind doch auch so eine Figur! Auf dem Sportplatz war dieser Gernegroß unter: Ferner liefen. Ich habe gegrinst. Ich habe die Empfindung, dass er etwas stiller geworden ist. (…) Wenn ich auch früher auf keinen Preis stolz gewesen bin, weil es mir leicht fiel - auf diesen will ich es sein. Lieber Spatz! Die Marke, die ich Dir heute beilege, sollst Du verwenden, wenn Du mir mal etwas Wichtiges mitteilen willst, das schnell ankommen soll. (…) Mein liebes Fraule! Wenn Du mal keine Lust zum Schreiben hast, dann tust Du recht daran, wenn Du Dir das Schöne anhörst, was das Radio bringt. Ich verstehe das wohl und überlasse Dir voll und ganz die Entscheidung. Ich weiß ja jetzt, dass wenn Du mir wirklich was ganz wichtiges mitzuteilen hast, Du es mit der Flugpost machen kannst. Der Brief dauert da nur ein paar Tage. (…)
Und nun mit Gruß und Kuss Dein Julius Hans (Seppl.) 

                                        VI  Kesselschlachten  
    Wir sind froh dass alles herum ist - Kesselschlacht Borwenkowo bei Kertsch
 

                                                                 Im Felde, Montag, den 25. Mai 1942
Liebe Mutti !   
Liege in unserem Zelt und habe die Hörer auf den Ohren. Die Sonne, die es die letzten Tage recht gut mit uns meinte, hat sich hinter schweren dunklen Wolken verkrochen und ab und zu prasselt ein Regenschauer auf uns hernieder. Ich habe mich in meine Decken eingepackt und will die zurzeit herrschende Ruhe dazu nutzen, nun meiner Liebsten zu schreiben, dass es Ihrem Vati gut geht! Gestern erhielt ich Deinen Brief vom 5. Mai, immerhin noch ziemlich rasch. (…). Auch die Päckchen sind angekommen und den Erfolg siehst Du gleich, da ich mit diesem Blei schreibe. Die Tinte habe ich verpackt und werde sie erst benutzen, wenn die Luftveränderung wieder vorbei ist, die ausgerechnet am 18., also an meinen Geburtstag, begann. Alles in allem gesehen, war ich froh, dass die Erlösung von der Ruhe endlich kam. Man weiß doch nun wieder, woran man hier ist. So machte mir also die Wehrmacht das schönste Geburtstagsgeschenk. Pfingsten dagegen versalzte uns der Russe, Pfingstmontag Petrus. Hoffentlich lässt morgen der Westwind nach. Bei Sonnenschein ist Krieg führen und kämpfen schön - bei Regenwetter tut man eben seine Pflicht. Nun zu Deinem letzten Brief. Frau S.‘s Mann müsste irgendetwas Pflichtwidriges getan haben, wenn er Festung bekam. Man darf schon mal "meutern" wie wir sagen - die alten Soldaten tun es am meisten, aber jeder weiß, was er zu tun hat. Frau S. tut mir leid. Sie ist eine anständige Frau. Als Trost kannst Du ihr sagen, dass jeder Soldat mit einem Fuß im Grab und mit dem anderen vor dem Kriegsgericht steht. Wenn der eine oder der andere meiner Kameraden nur eine Kleinigkeit z.B. wegnimmt, er könnte dafür hart bestraft werden. Es kommt dann auf die näheren Umstände an. Dass hier an der Front die Gesetze streng sein müssen, dürfte ja klar sein. (…) Deine Schilderung der landschaftlichen Schönheit zu Hause, weckt zwar Sehnsucht in mir nach allem, was Heimat heißt. Aber zurzeit haben wir wichtigeres zu tun. Und je schneller wir dies tun, umso mehr Aussicht besteht, die Heimat wieder zu sehen und das bald. Deshalb Geduld und Ruhe - kommt Zeit, kommt Urlaub. (…). Sonst wüsste ich nichts Neues. Ich habe mich wieder an das Zigeunerleben gewöhnt und es bekommt mir ausgezeichnet. Die ersten Hühner haben wir bereits gespachtelt. Für heute Schluss. Es gibt Arbeit! Herzlich Dein und Euer Vati. Seppl.                            
                                                                          Freitag, den 29. Mai 1942
 
 Liebes Linchen!
Harte Stunden liegen hinter uns. Aber der Sieg war unser. Nun liegen wir wieder in der Sonne und waschen, reinigen, putzen und erholen uns von den großen Ereignissen. Unser Rastplatz ist so schön, wie manches Plätzchen in der Pfalz. Gruß und Kuss Seppl.

                                                                           Freitag, den 29. Mai 1942
Liebe Eltern !  
Ihr werdet sicher auf Post gewartet haben. Doch in den Tagen von meinem Geburtstag war an Schreiben nicht zu denken. Da ging es hart auf hart. Und heute, da wir wieder in einem idyllischen Tal in der Sonne liegen und uns erholen, kann ich Gott danken, dass dies so kam. Dass wir in der Zwischenzeit eine große Schlacht geschlagen und auf den errungenen Sieg stolz sein können, werdet Ihr ja aus dem Heeresberichterfahren haben. Genug davon ‑ um viele Erlebnisse reicher, kann ich Euch mitteilen, dass ich gesund und munter bin und zu weiteren Taten aufgelegt.(…) Nach diesem großen Schlag und nach dem Fall von Kertsch, hoffe ich ja, dass den Russen bald die Luft ausgeht. Es ist meine feste Zuversicht, dass bis Winter die Kämpfe in Russland abgeschlossen sein werden. Liebe Mutter, es tut mir leid, dass Ihr Nahrungssorgen habt. Ich glaube gern, dass alles knapp geworden ist. Doch lasst Euch nicht unter kriegen. Aushalten! Und auch Du, mache Dir keine unnötigen sorgen. Ich würde Euch gern abgeben, wenn ich könnte. Wir haben jetzt oft reichlich. Heute habe ich 200 Gramm Tee abgeschickt. Hoffentlich kommt er gut an.(…) Was habt Ihr Pfingsten gemacht? Pfingstmontag erlebten wir unsere härtesten Stunden. Keinem wurde bewusst, dass Feiertage waren. Briefe und Päckchen kamen mitten im dicksten Dreck an. Jetzt blicke ich mit Ruhe darauf zurück, rauche eine gute Zigarre und freue mich meines Lebens. Was anderes sollte man auch tun? (…) Damit will ich schließen. Seid herzlich gegrüßt von Eurem Sohne Hans          

                                                             Ostfront, Sonntag, den 31. Mai 1942
Mein lieber Spatz !  
Ein herrlicher Sonntag heute. Wir lagern bereits drei Tage in einer kleinen Talmulde, die sich in der gewaltigen russ. Fläche wie eine Oase ausnimmt. Die Sonne lacht, Wasser zum waschen ist da - eben haben wir uns einen herrlichen Tee gebraut - Pferde weiden - es sind wilde Pferde von gefallenen russische Kavalleristen, Frösche quaken und abends singen die Nachtigallen. Das ist nach den Anstrengungen der letzen Woche wie im Märchen. Ich sitze vor unserem Zelt in der Badehose und lasse mich braun brennen. (…) Über die letzte Woche will ich nur so viel schreiben, dass wir diesmal mit an erster Stelle standen, als der gewaltige Ring um die russischen Armeen geschlossen wurde. Da ging es hart auf hart. Was in dem Kessel war, wirst Du aus den Wehrmachtsbericht erfahren haben: 26 000 Gefallenen, 1200 Panzer und ähnliches. Wir haben alleine neun Panzer abgeschossen, schwere Christi Panzer - keine leichte Arbeit. Da ist immer alles drin! Aber jetzt ist alles vergessen. Wir sind froh, dass alles herum ist und warten bereits auf den Befehl zu neuem Start. (…) Dass Deine Sorgen meine Sorgen sind ist klar. Ich möchte nichts verheimlicht haben. Trotzdem gibt es für Soldaten Dinge, die wir nicht schreiben können, sonst hättet Ihr zu Haus keine ruhige Nacht mehr. Was will die Heimat mit Einzelheiten? Sie belasten nur. Schließlich ist der Krieg kein Kinderspiel, das weißt Du auch. Am Ende entscheidet das Schicksal, das habe ich in diesen Tagen deutlicher denn je verspürt. Ich habe Vertrauen - habe Du es auch und alles wird gut werden.(…)
Alles Herzliche und Gute 
Seppl.

 




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