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Die Strecke































































Start

























































































































                   Seifenkistenrennen im motorischen Zeitalter,
                                 ein fast vergessener Sport!
 

     Das erste Seifenkistenrennen in Deutschland fand 1904 in Oberursel/Taunus statt. Damit ist diese Sportart über 100 Jahre alt. Ein amerikanischer Journalist berichtete über den Bau und das damit verbundene Wettrennen von motorlosen Kisten, die aus aussortierten hölzernen Seifenkisten oder Käseschachteln gefertigt wurden. Er brachte den Begriff „soap boxes“ auf, der sich verbreitete und als Seifenkiste in unsere Sprache kam.
      Es ist sicher kein Zufall, wenn Horst Weitkamp, dessen Leben dem Auto gewidmet ist, sich als Veteran „retro“-wendet, als er sich von seiner Seifenkiste, die er vor 50 Jahren gebastelt hatte lösen wollte. Dabei wurde die Idee geboren, noch einmal ein Seifenkistenrennen zu organisieren. Die Stadt Lübbecke/Westfalen knüpft dabei an eine Tradition von vor 60 Jahren an. Als Akteure fanden sich: die Stadt Lübbecke, ein Organisationsteam und Sponsoren.
     Zwei Jahre brauchte die Vorbereitung bis am 22. Mai 2016 die Kisten zum Wettbewerb starten konnten. Eine Aufgabe bestand zum Schluss darin, eine sichere Rennpiste zu schaffen mit 2 Bahnen über 300 m, Start- und Zieleirichtungen. Dazu gehörten die Verkehrssperrung einer Straße, deren Sicherung, Hebebühne und Startrampe, Ziellinie und Zeitmessung, eine gesicherten Weg für den Rücktransport der Kisten zum Start. Die Zeiten der Fahrer lagen zwischen 31 und 36 Sekunden. 
     Des Weiteren stellte sich die Frage, wo und wie kommt man zu Seifenkisten? Man trat an die Schulen heran und suchte Schülergruppen, die unter Anleitung und mit Hilfe von Spenden selbst Seifenkisten bauten. Holzkarosserie, genormte Achsen, Metallräder, Lenkung und Bremsen waren für alle neuen gleich und sollten gleichwertige Voraussetzungen für den Wettkampf bringen. Auf diese Weise entstanden 10 Seifenkisten, die aus pädagogischer Sicht mit der Arbeit an einem gemeinsamen Projekt Lebenserfahrung vermittelte. Für die neuen Kisten erfanden die Schülergruppen meist englisch klingende Namen wie z.B. Nettelspeed, Silverfighter, Rocket. Der Grüne Blitz blieb der deutschen Sprache treu.
     Die Piloten traten in zwei Kategorien an: Juniorenklasse (8 – 12 Jahre, bis 90 kg Gesamtgewicht) und Seniorenklasse (13-18 Jahre bis 113 kg Gesamtgewicht). Bevor es an den Start ging, mussten die Kisten eine technische Prüfung überstehen, die Fahrer einen Trainingskurs absolvieren und Schutzhelme zu tragen waren Pflicht. 72 Fahrer, darunter auch einige Fahrerinnen, kamen zum Start. Insgesamt fanden 124 Vor-, Zwischenläufe, Halbfinale und Finale statt.
     Die Rennpausen füllte ein Rahmenprogramm mit flitzenden Bobbycarfahrer, deren flotte Fahrt durch das ungleiche Verhältnis zwischen Gefährt und Fahrer recht abenteuerlich aussah. Erwähnt sei noch, dass auch die 50-jährige „Oldtimer-Seifenkisten“ ihre Nostalgiefahrten ebenfalls z. T. im Duell mit einem modernen Fahrzeug bravourös überstanden.
    Für die Zuschauer war ebenfalls mit Getränken, Gegrilltem, gebrannten Mandel n, Eis u.v.m. gesorgt.  
   Am Ende stand die Siegerehrung für Einzelfahrer und Mannschaften. Urkunden und Pokale wurden überreicht.
                                                                                © Willi Volka